Rathaussanierung

Energie- und Technikkonzept für das Historische Rathaus der Stadt Mülheim an der Ruhr

 

Im April 2009 erwarb SWB das Historische Rathaus im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages für die Dauer von 50 Jahren. Zwischen SWB und Stadt wurde ein Mietvertrag geschlossen, mit dem das Rathaus nach vorhergehender Sanierung und Modernisierung für zunächst 25 Jahre an die Stadt vermietet wird.

 

Bei der Gestaltung des Hauses werden die Möglichkeiten der energetischen Optimierung und der Einsatz von Techniken für einen nachhaltigen und zukunftsorientierten Ansatz ausgeschöpft:

 

Energieversorgung für die Heizung

 

Die neue Heizungsanlage wird durch einen Anschluss an die Fernwärmeversorgung der medl versorgt. Die Grundlast (ca. 60 %) des Mülheimer Fernwärmenetzes wird aus der Kraft-Wärme-Kopplung über Blockheizkraftwerke erbracht. Diese Grundlast soll weiterhin genutzt werden, um die ökologischen und nachhaltigen Vorteile der KWK zu erhöhen.

 

Durch eine komplett neue Regelung, ein neues Verteilnetz im Haus und die am Nutzerverhalten orientierte Steuerung der Anlagen, werden rund 20 % gegenüber der Altanlage gespart.

 

 

Warmwasserversorgung

 

Die vorgesehene Warmwasserversorgung wird limitiert. Im Bereich der Sanitärräume wird weitgehend auf eine Warmwasserversorgung verzichtet; einerseits, um den baulichen Aufwand zu reduzieren, andererseits, weil diese Bereiche nach der Arbeitsstättenrichtlinie nicht zwingend damit auszustatten sind. Grundsätzlich erfolgt auch keine Vorhaltung von vorerwärmtem Warmwasser und keine Lieferung per Zirkulationsleitungen.

 

Wärmeverluste und auch der Aufwand für Warmwasserlieferung sind so minimiert.

 

 

Kein Frisch- und Abwasser für Urinale

 

Die Urinale in den Herren-WC-Anlagen werden als sog. Trockenurinale (Abperlen der Flüssigkeit durch spezielle Beschichtung) ausgeführt.

 

Eine Frisch- oder Brauchwassernutzung zum Spülen ist also nicht mehr nötig.

 

 

Lüftungsanlagen

 

Bei den in - recht geringem Umfang vorgesehenen - Lüftungsanlagen werden grundsätzlich Systeme mit einem sehr hohen Wärmerückgewinnungsgrad gewählt, um den erforderlichen Zusatzaufwand für Wärme so weit als möglich zu reduzieren. Bei der Dimensionierung und Konstruktion der Luftleitungen wird darauf geachtet, dass nur ein minimaler Anteil von Druckverlusten auftritt und so auch Leistung und Verbrauch der erforderlichen Ventilatoren reduziert werden kann.

 

 

Elektrische Versorgung

 

Um den Stromverbrauch im Rathaus zu minimieren, wird die Beleuchtung in den Fluren und den Sanitärbereichen über Präsenzmelder gesteuert. Sind die Bereiche nicht genutzt, wird das Licht mit Zeitversatz ausgeschaltet. Auch die Beleuchtung in den Büros ist über Präsenzmelder geschaltet und reduziert zudem die Lichtstärke auf die voreingestellte Beleuchtungsstärke. Das Kunstlicht ist also nicht ständig als andauernde Arbeitsbeleuchtung vorgesehen. Eine manuelle Schaltung und die individuelle Regelung sind jedoch über Schalter am Büroeingang möglich. Zudem kann die Beleuchtung zentral geschaltet werden.

 

Insgesamt können durch diese, den Verbrauch reduzierenden, Maßnahmen deutliche Einsparungen erzielt werden.

 

 

Fensteranlagen

 

Alle zu den Innenhöfen angeordneten Fenster erhalten neues Isolierglas mit Sonnenschutzverglasung. Die zu den Straßenräumen angeordneten, unter Denkmalschutz stehenden, Holzkastenfensteranlagenwerden werden hingegen saniert. Hierbei erhält der innere, also büroseitige Flügel, ebenfalls eine Sonnenschutzverglasung auf der neuen Einscheibenverglasung. Zudem werden die Flügelrahmen durch eine neue, vierseitige, innere Silikonabdichtung besser verfüllt, um etwaige Wärmeverluste und Zugerscheinungen zu vermeiden.

 

 

Dämmung

 

Grundsätzlich können die gesamten Außenfassaden des Gebäudes nicht durch ein Wärmedämmverbundsystem gedämmt werden, um das denkmalgeschützte Bild des Hauses nicht zu beeinträchtigen. Gedämmt werden jedoch die kompletten Dachflächen, die insgesamt und sehr umfassend beim Ausbau erneuert werden.

 

Hierdurch werden rund 20 % der Heizwärme eingespart.

 

 

Trotz intensiver Erörterung und Prüfung weiterer Maßnahmen sind diese leider an Sachzwängen und dem Denkmalschutz gescheitert:

 

Regenerative Energien

 

Der Einsatz von regenerativen Energien ist in diesem Projekt nicht sinnvoll möglich: Eine neue Erdwärmeheizung macht aufgrund des gegebenen Fernwärmeanschlusses genau so wie andere Energiequellen, also z.B. Pelletheizung oder Wärmetauschertechnik in Verbindung mit dem Ruhrwasser, keinen Sinn.

 

 

Solarthermie

 

Der Einsatz von Warmwasserkollektoren auf dem Dach des denkmalgeschützten Gebäudes ist nicht angedacht und würde auch nicht die Zustimmung der Denkmalbehörde bekommen.

 

 

 

Photovoltaikanlagen

 

Der Einsatz von Photovoltaikanlagen wäre nur auf der Dachfläche denkbar. Er ist aufgrund der gegebenen Erfahrungen jedoch kaum wirtschaftlich machbar. Hinzu kommt, dass die  staatlichen Förderinstanzen von einer hinreichenden Rückvergütung bei der Einspeisung abrücken. Unabhängig hiervon würde eine Photovoltaikanlage keine Zustimmung durch die Denkmalpflege erhalten.

 

 

Ort

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